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25.09.2017 09:02
Von: FA

Ziel muss sein, dass wir ausgeglichen sind

Interview mit dem Herren Nationalteamtrainer Shuan Fatah über die Vorbereitung und Ziele von Team Austria.


Österreichs Football Herren Nationalteam bereitet sich für die Europameisterschaft 2018 in Frankfurt vor. Nach Bronze bei der EM 2010 und Silber bei der Heim-EM 2014 ist das Ziel des AFBÖ-Teams erstmals EM-Gold mit den Herren nach Österreich zu holen.

Das Junioren Nationalteam ist vier Mal in Folge Europameister geworden (2011, 2013, 2015 und 2017), was noch keine andere Nation geschafft hat. Österreichs neuer Teamchef Shuan Fatah weiss aber um die Stärke der Konkurrenz bei den Herren. Titelverteidiger Deutschland will zu Hause unbedingt den dritten EM-Titel in Folge holen, Frankreich bereitet sich akribisch vor und will nach Silber 2010 und Bronze 2014 auch den ersten EM-Titel nach Hause bringen.

Im Interview spricht Shuan Fatah nach dem offenen Tryout des Nationalteams über die Vorbereitung und Ziele von Team Austria.

Welche Eindrücke bleiben vom Nationalteam Tryout?
Shuan Fatah: Erstmals waren wir schon überrascht über die hohe Anzahl der Spieler. Die Jungs waren hoch motiviert, der Wille war da, das hat uns sehr viel Spaß gemacht. Ansonsten verarbeiten wir jetzt die Eindrücke, wir haben alles gefilmt, und auf Basis des Videomaterials werden wir die Jungs für das erste Camp im November picken.

Wie legt man die Vorbereitung nach so einer langen Pause an?
Shuan Fatah: Das ist auch Neuland für mich, vier Jahre sind eine lange Zeit. Jetzt haben wir die Camp-Serie vor uns und wollen in dieser die Mannschaft „reloaden“. Unser Motto lautet ja „Reload & Reclaim“, wir werden das Team neu aufbauen. Es sind noch einige aus dem 2014er-Jahr dabei, aber wir werden sehr viele neue Leute haben, das wird eine komplett neue Mannschaft.

Kernstück des Nationalteams war stets eine starke Verteidigung. Wird das neue Team „defense minded“ bleiben?
Shuan Fatah: Das wird entstehen durch die Camps und das Personal, was wir haben. Das drückt ein Coach einer Mannschaft nicht auf, da müssen wir erst abwarten, wie sich das entwickelt. Wenn ein Mannschaftsteil dominant ist, dann liegt das meistens daran, dass er besser eingespielt ist, die besseren oder erfahreneren Athleten hat. Ich bin Defense Coach, ich werde die Defense machen, aber wir haben Lee Rowland und andere gute Coaches in der Offense. Das Ziel muss sein, dass wir ausgeglichen sind, dass wir nicht ausrechenbar sind und probieren unsere Stärken heraus zu kehren.

Wie siehst du die Quarterback Situation in Österreich? In der Bundesliga starten ausschließlich Amerikaner.
Shuan Fatah: Das ist ein Problem, welches nicht für Österreich typisch ist, das ist fast überall so. Deutschland hat das Glück, dass sie ein, zwei Quarterbacks haben, wie z.B. Schwäbisch Hall mit Marco Ehrenfried, die das Vertrauen der Coaches haben. Das ist ansonsten aber auch in Deutschland nicht gang und gäbe, dass ein Deutscher Quarterback spielt. Ich glaube trotzdem, vom Talent Level her haben wir zwei, drei gute Jungs in unserem Land. Wir müssen darauf achten, dass sie spielen und aktiv sind bis 2018. Das war auch meine Message an die Jungs, die wir haben, die jetzt ein wenig herumwandern in der Footballszene, dass sie auf alle Fälle spielen müssen. Spielzeit ist wichtig und nicht ersetzbar. Ich begleite und unterstütze sie dabei auch.

Warum ist Österreich - mit einer im Vergleich zu anderen Ländern überschaubaren Anzahl an aktiven Spielern - im Football so erfolgreich?
Shuan Fatah: Ich bin jetzt sieben Jahre in Österreich. Was auffällig ist, ist dass hier gute Arbeit geleistet wird bei der Spielerentwicklung. Wir haben helle Köpfe im Football und gute Coaches, die gute Arbeit leisten. Daran alleine kann es aber nicht liegen. Wir haben darüber hinaus auch sehr viele Spieler, die sehr viel länger dabei sind, die früher als in anderen Ländern mit dem Spiel begonnen haben und auf den Sport konditioniert sind. Das ist nicht immer erstrebenswert, aber in unserem Falle als kleines Land hilft uns das. Auf der anderen Seite sind wir dadurch wir sehr viel jünger als andere Nationalmannschaften. Das deutsche Nationalteam von 2014 war im Vergleich zu Österreich viel älter, da die Spieler später anfangen, dafür aber länger spielen. Wir arbeiten hier im Nachwuchsbereich sehr gut, und das zeigt sich dann auch auf dem Footballfeld.

Es hat nicht nur Nachteile sondern auch Vorteile eine überschaubare Anzahl an potentiellen Spielern für das Nationalteam zu haben. Du siehst sie wöchentlich in der Bundesliga und kannst daraus relativ schnell ein Team formen, und du weisst dabei, was du hast. Viel Auswahl ist dann sogar hinderlich, wenn du die Ressourcen nicht hast, um wirklich flächendeckend Tryouts zu machen. Wir haben in Österreich „die üblichen Verdächtigen“, von denen wir wissen, dass sie spielen können. Um diesen Kern herum bauen wir das Team auf.

Wie holt man den EM-Titel nach Österreich?
Shuan Fatah: Da waren gute Coaches am Arbeiten in der Vergangenheit und haben es nicht geschafft. Das ist ein ganz schweres Unterfangen. Wenn man sich Frankreich anschaut, die seit über zwei Jahren viel Geld in ihr Nationalteam investieren, eine zweistellige Zahl an Camps absolvieren und die World Games gewonnen haben, dann weiss man, die wollen es nächstes Jahr wissen. Da müssen wir genau auf den Punkt arbeiten und effektiv sein in den Dingen, die wir machen. Wir dürfen kein Camp verschwenden und müssen uns punktuell vorbereiten auf den Gegner. Das Team im ersten Camp, das wird bereits das Österreichische Nationalteam sein. Das sind zwar noch 20 mehr als wir dann bei der EM haben dürfen, aber das ist dann bereits unser erweiterter Kader. Wir haben elf Monate zur Verfügung, und wir müssen diese Zeit absolut perfekt nutzen.

Wir sind in einem Rebuilding Prozess und müssen die Mannschaft auch psychologisch wieder aufbauen, denn das Finale 2014 war eine herbe Niederlage für Österreich und das Nationalteam. Es ist wichtig, dass wir die Leute, die damals dabei waren, wieder aufbauen. Österreich war 2014 nicht schlechter als Deutschland, aber da war zu viele Lametta und zu viel Lärm im Spiel. Dinge waren wichtiger als das Business.

Wie hast du das EM-Finale 2014 erlebt?
Shuan Fatah: Ich habe ja in einem Interview danach meine Missgunst schon geäußert. Ich kann nicht verstehen, dass jemand als Priorität bei einem Happening für den europäischen Football, eine Anti Celebration-Rule aufsetzt und diese dann durchsetzt. Ich halte das für eine Katastrophe. Wer auch immer diese Ansage gemacht hat, der sollte im hohen Bogen rausgeschmissen werden. Du kannst nicht bei einem Event, wo wir uns als Sport präsentieren – und da sitzen wir alle im selben Boot – eine solche Regel durchdrücken. Das ist dem Sport abträglich. Die sollen sich lieber um Holdings kümmern. Da gab es einen Haufen in dem Spiel und nicht von österreichischer Seite.

Wie reagierte man in Deutschland auf Shuan Fatah als Teamchef von Österreich?
Shuan Fatah: Eigentlich hat das wenig Wellen geschlagen. Ich habe Freunde in der deutschen Nationalmannschaft, die haben mir gratuliert. Es war eigentlich sehr entspannt. Man kennt sich, man weiß Bescheid. Für mich ist das eine tolle, aber auch schwere Aufgabe. Wir werden gut vorbereitet sein, darauf können sich alle verlassen. Genauso wie ich weiss, dass Frankreich und Deutschland gut vorbereitet sein werden, da ich den Coaching Staff kenne.






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